Moorwiese, Wilde Welt und Waldkindergarten am Standort erhalten

Keine Bebauung zwischen Moorwiese und Moorlinse!!!

Stand 22.3.21

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung plant:


Um den gewachsenen Bedarf an Wohnraum in Berlin und damit verbundene Infrastruktur zu decken, hat das Abgeordnetenhaus die Planung und Entwicklung von 16 neuen Stadtquartieren im gesamten Stadtgebiet beschlossen. Buch – Am Sandhaus ist eines dieser neuen Stadtquartiere. Das Gebiet umfasst eine Fläche von rund 57 Hektar. Vom S-Bahnhof, entlang der Straße Am Sandhaus und auf der Fläche des ehemaligen Krankenhauses der Staatssicherheit soll ein Stadtquartier für rund 2.400 bis 3.000 neue Wohnungen entstehen. Der Wohnungsneubau soll durch soziale Einrichtungen, wie Kindertagesstätten, eine neue Grundschule, öffentliche Spielplätze und wohnungsnahe Freiräume ergänzt werden. Seit August 2020 wird für den gesamten Bereich Buch V - Am Sandhaus ein Rahmenplanverfahren durchgeführt. Darin eingebettet ist ein diskursives, städtebauliches Gutachter*innenverfahren, das die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen aktuell von Februar bis Juni 2021 durchführen lässt. In diesem Rahmen arbeiten nun drei Planungsteams parallel an städtebaulichen Entwürfen für den Vertiefungsbereich über 39 ha.

Hier geht`s zum Link:

https://mein.berlin.de/projekte/rahmenplanung-buch-am-sandhaus

Was bedeuten die aktuellen Vorschläge?

Die vorliegenden drei Entwürfe zielen alle darauf ab, das Waldstück des Naturerfahrungsraums Wilde Welt, des Archäologie- und Abenteuerspielplatzes Moorwiese und der Waldkita abzuholzen und zu bebauen. Dazu sollen die drei Einrichtungen mittelfristig in Richtung Straße am Sandhaus verschoben werden. Dort sollen sie je nach Entwurf zwischen die mehrgeschossigen Häuser eingeklemmt oder mehr in Richtung Moorlinse geöffnet und auf dem mit wenig Baumbestand versteppten und mit Ruinen und Fundamenten verseuchten Boden komplett neu errichtet werden.

Das bedeutet eben nicht nur ein paar Bauwagen umzusetzen und die Kinder ihre Hütten woanders aufbauen zu lassen.

Was ist gefährdet?

Der Naturerfahrungsraum NER Wilde Welt wurde 2016 mit Bundesmitteln hergestellt, dazu wurde eine waldähnliche Fläche neben der Moorwiese gewählt. Die vorgeschlagenen Neu-Flächen sind in allen Entwürfen mit deutlich weniger Bäumen besiedelt. Bis der Baumbestand wie auf den aktuellen Flächen erreicht wird, werden 20 Jahre vergehen. Pankow hat 2019 den Klimanotstand ausgerufen, die Senatsverwaltung interessiert das offensichtlich nicht.
Moorwiese, NER und Waldkind sind medientechnisch an das Wasser der Schule angeschlossen und bei Bedarf konnte auch immer mal auf den Strom der Schule zurückgegriffen werden. Notwendig ist seit langem der Ersatz der Bauwagen durch ein festes Spielhaus mit den notwendigen Räumen für Lagerung und Verwaltung der drei Einrichtungen.
In den 11 Jahren der Existenz der Moorwiese wurde darüber hinaus durch jahrelanges ehrenamtliches Engagement ein rekonstruiertes Dorf mit Elementen der bronze- und eisenzeitlichen Ausgrabungen in Buch errichtet, welches nicht mal eben so versetzt werden kann.

Was ist und wichtig?

Auf Argumente unsererseits in den Vorgesprächen mit Frau Glöckner von SenStadt und während der ersten Zoom-Beteiligung, aufgeschrieben am 9.2.21, wird bei den drei vorliegenden Entwürfen in keiner Weise eingegangen:

Moorwiese und NER sind Kooperationspartner der GS am Sandhaus und brauchen die direkte Anbindung Zaun an Zaun mit dem vorhandenen Tor.
Sie sind in gewisser Weise erweiterter Schulhof für die Arbeit der Schule mit Kindern, die im Alltag besondere Unterstützung brauchen. Mit der Verlegung müssten die Kinder zukünftig durch das Wohngebiet wandern, um die Moorwiese und den NER zu erreichen. Moorwiese und NER Wilde Welt sind außerschulischer Lernort und grünes Klassenzimmer für die Grundschule am Sandhaus. Auch Kinder der ersten Klassen können so bisher gefahrlos von Schule zur Offenen Arbeit wechseln.

Alle drei Einrichtungen wirken überregional und brauchen die Nähe zum S-Bahnhof, damit Kindergruppen und Einzelbesucher kommen können.
Mit seinem besonderen Profil ist der Archäologiespielplatz eine Berlin-weite Attraktion, die besonders an den Familientagen Besucher aus der ganzen Stadt anzieht.
Viele der NutzerInnen sind Kinder aus dem Gebiet der Plattenbauten auf der anderen Seite der S-Bahn, für die ein weiterer Weg erfahrungsgemäß nicht realisierbar wäre.
Die Verlegung würde es dem Träger wesentlich schwerer machen, bis zu 20.000 € pro Jahr Eigenmittel durch Gruppenangebote und Kindergeburtstage zu erwirtschaften, die nötig sind, da es keine 100% Ausfinanzierung durch öffentliche Stellen gibt.

Der Naturerfahrungsraum sollte eine Aufstockung der Fläche erfahren.
Der NER ist mit seinen 0,5ha schon jetzt oft übernutzt. Durch die bisherige Art der Flächen mit etwa weiteren 2 ha ringsherum haben vor allem Tiere weiteren Lebensraum am Rande. Es gibt derzeit auf unserem Gelände ständig 2 – 3 Haufen der Roten Waldameise, es gibt auf der Fläche eine große Anzahl von Zauneidechsen, die wie auch die Grasnelken auf dem Grundstück Richtung Moorlinse einer Bebauung zum Opfer fallen würden. Weitere Tiere, die z.T. auf der Roten Liste stehen, sind u.a. der Neuntöter, Knoblauchkröte, Ringelnatter, Blindschleiche, Pirol, Zaunkönig, div. Fledermausarten.
Die vorgeschlagenen Ersatzflächen berücksichtigen in keiner Weise den Artenschutz der vorhandenen Fauna und Flora der Moorwiese. Sie sind vom Untergrund und Bewuchs ein komplett anderes Habitat. Eine Abgrenzung zu den Schutzgebieten für die Moorlinse lässt darüber hinaus in dieser Richtung keine flächenmäßige Erweiterung  des Naturerfahrungsraumes zu.

Bucher Stimmen hören!

Bei der Diskussion um das Integrierte Stadtentwicklungskonzept INSEK vor ein paar Jahren, wurde von den Buchern gefordert, zwischen Moowiese und Moorlinse auf eine Bebauung zu verzichten. Dazu stehen wir weiterhin. Macht nicht alle gewachsenen Strukturen kaputt!  Erhaltet die Natur am Standort von Moorwiese, Wilder Welt und Waldkind!

Keiner der drei Entwürfe sieht geeignete Alternativflächen vor. Außerdem lassen sich die vorhandenen Rekonstruktionsbauten nicht einfach verlagern.

Für die laufende Arbeit wäre es destruktiv, wenn die MitarbeiterInnen von jetzt an 6 – 10 Jahre mit der Verteidigung der Moorwiese und der Wilden Welt beschäftigt wären, statt aus einer gesicherten Position heraus mit den Kindern pädagogisch in einer durch Pandemien und Klimawandel gezeichneten Zeit zu arbeiten und eine angstfreie Atmosphäre für  benachteiligte Kinder zu schaffen. Unsere Einrichtungen leben von der ständigen Entwicklung von neuen Ideen und Projekten und vom Wachsen der Vegetation und vom Beobachten der Tiere. In einer Atmosphäre permanenter Unsicherheit kann keine Kreativität gedeihen.

Auf dem ASP wird gehämmert und täglich Feuer gemacht. Ausgehend von den Erfahrungen der Einrichtungen ASP Inge in Karow und ASP Franz B. in Buchholz ist damit zu rechnen, dass nach Fertigstellung der Häuser des Wohngebietes die Klagewelle gegen die Arbeit auf dem Abenteuerspielplatz rollt und die Arbeit aufs Äußerste eingeschränkt wird. Aus Kinderschutzgründen sind dann zusätzlich Sichtschutzwände nicht nur für die Wald-Kita zu errichten.

Der Schock für die KollegInnen unserer Einrichtungen ist groß. Trauer macht sich breit. Die Nichtanerkennung der Leistungen der vergangenen 12 Jahre durch Planungsbüros, die sich nicht einmal zu uns begeben haben und vom grünen Tisch herab(lassend) Vorschläge machen ist frustrierend und macht uns wütend.

 

Berlin-Buch, den 16.3.2021