Auf und ab durch die Moorwiese

Neue naturnahe Spielfläche für Bucher Kinder


Auf der waldartigen Fläche zwischen Abenteuerspielplatz Moorwiese und S-Bahnhof Berlin-Buch gibt es seit den 20. September 2016 eine neue öffentliche naturnahe Spielfläche. Das Besondere an diesem Projekt: das Fehlen herkömmlicher Spielgeräte. Was hier entstand, nennt sich im Fachjargon Naturerfahrungsraum. Hier werden Kinder zum freien Spiel in der Natur und nur mit Naturmaterialien angeregt: Findlinge und Stämme zum Balancieren und Verweilen, Reisig und Äste zum Hüttenbau, Bäume zum Klettern und Strauchhecken
zum Verstecken. Alles ein bisschen abenteuerlich, aber nie gefährlich.
Besonders war auch die umfangreiche Mitwirkung von Kindern aus umliegenden Einrichtungen an der Planung. Kinder der Waldkita und der Kita Schlaufüchse, die Waldgruppe der Grundschule Am Sandhaus und Kinder des Kinderclubs Würfel haben die Planerin, die Berliner Landschaftsarchitektin Susanne Pretsch, bei ihrer Arbeit unterstützt. Bei einer Geländerallye fanden sie die besten Kletterbäume, die geeignetsten Verstecke sowie Lieblingsorte zum Quatschen und Ausruhen. So konnten diese kleinen Experten der Planerin das Gelände aus Kindersicht zugänglich machen.
Ihre Wunschspielplatz-Ideen brachten die Kinder anschließend in Modellen aus Naturmaterialien wie Moos, Ästen, Ton und Sand in kreative Formen. An vier Nachmittagen entstanden wahre Meisterwerke der Phantasie mit vielen Anregungen für die Planerin: Stämme und große Steine zum Klettern und Balancieren, Höhlen für Kinder und Tiere, Hochsitze und Baumplätze. Nicht alle Ideen konnten in den Vorentwurf der Planerin aufgenommen werden, weil Sicherheitsanforderungen zu beachten sind. Aber den Hochsitz, auf dem die Kinder die Natur aus der Höhe betrachten können ebenso wie den Matschplatz auf einem Lehmhügel, der eben nur bei Regen nass und schön matschig ist.

Hintergrund: Seit Mitte August 2015 läuft das Hauptvorhaben „Naturerfahrungsräume in Großstädten am Beispiel Berlin.
Während der dreijährigen Projektdauer gibt es, drei Naturerfahrungsräume in den Bezirken Marzahn-Hellersdorf, Spandau und eben dieser in Pankow als Aufwertung bestehender öffentlicher Freiräume werden sie eingerichtet und erprobt. Soziale, gesundheitliche, bildungsrelevante, stadtökologische und wirtschaftliche Aspekte gilt es hierbei zu berücksichtigen. Das Vorhaben wird von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde wissenschaftlich begleitet. Die im Vorhaben gewonnenen Erkenntnisse werden dokumentiert, damit sie als Leitfaden für andere Städte und Akteure nutzbar
sind.
Susanne Pretsch, Landschaftsarchitektin, Fachplanerin für den Naturerfahrungsraum Moorwiese


Das Vorhaben wird durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie durch den Bezirk Pankow und die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klima Berlin gefördert und vom Landesbeauftragten für Naturschutz und Landschaftspflege Berlin unterstützt. Projekträgerin des Entwicklungs- und Erprobungsvorhabens ist die Stiftung Naturschutz Berlin.

 

 

Naturerfahrungsraum - die Idee

Ein Naturerfarhungsraum ist eine naturnahe Grünfläche ohne Intensivpflege vorrangig für die Erholung von Kindern und Jugendlichen im besiedelten Bereich. Sie hat  keine Ausstattung mit Spielgeräten und sollte eine  räumliche Nähe zu Wohngebieten (< 300-500m) aufweisen. Die  Idealgröße ist mindestens 2 ha. Ohne pädagogische Betreuung soll selbstbestimmtes Handeln ermöglicht werden, eine  freie Zugänglichkeit gewährleistet sein. Die Benutzung ist kostenfrei. 

(nach Schemel 2005)

10.09.2008 Dr. Jutta Heimann
Fachforum Soziale Stadtentwicklung